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25. Januar 2021

Digital Trends 2021+

Es liegt ein außergewöhnliches Jahr 2020 hinter uns. Schauen wir zurück auf das was u.a. geschehen ist um fit für die Zukunft zu sein.

Rückblick

Am 30. Juli 2020 meldete das Statistische Bundesamt einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in Q2/2020 um -11,3 % zum Vorjahresquartal. Dieser wirtschaftliche Einbruch machte sich natürlich auch in den Arbeitslosen Zahlen bemerkbar: So gab die Agentur für Arbeit über eine halbe Million mehr Arbeitslose im November 2020 gegenüber dem Vorjahr an. Im September wurden zudem 2,22 Mio. Euro Kurzarbeitergeld an rund 2 Mio. Kurzarbeiter (Stand Nov 20) ausgezahlt. Personal, das von Kurzarbeit betroffen ist, kann sich ein Unternehmen nicht mehr leisten. Sofern die Lage fortbesteht, ist für diese Personen also über kurz oder lang ebenfalls mit Arbeitslosigkeit zu rechnen. Die Insolvenzantragspflicht bisher ausgesetzt und mehrfach verlängert. Daher existieren hierfür lediglich düstere Prognosen, wie „2021 wird ein Pleitenjahr“. Unter Weiter: „Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel ist hierzulande bereits für 2020 mit rund 18.000 Insolvenzen zu rechnen.“ Insbesondere der Mittelstand leidet unter den regierungsseitig verhängten Maßnahmen.

Krisenkonsum

Das bringt natürlich Änderungen im Konsumverhalten von Menschen mit sich. In Krisen experimentieren Menschen weniger, sie halten zunächst an Gewohnheiten fest und verzichten dann auf alles, was ihnen nicht wichtig ist. Der deutsche Konsument gilt als eher krisenresistent und Motor der Wirtschaft, lockbar mit Konjunkturprogrammen. Krisenbetroffene Haushalte gehen eher zum Discounter, verzichten auch auf Restaurant Besuche, notfalls den Urlaub (beides ja ohnehin nicht möglich), gönnen sich dann aber – angetrieben von dem Wunsch nach einem Rückzugs- und Zufluchtsort (Cocooning) – dafür vermehrt Dekoartikel und Möbel. Davon profitieren entsprechend Möbelhäuser, Baumärkte und auch Elektronik-Hersteller. Nach der letzten Rezession im Jahr 2010 pendelte sich das Kaufverhalten wieder auf einem normalen Niveau ein. Aber es blieben auch irreversible Verhaltensänderungen bestehen, denn Krisen verändern die Wertorientierung der Menschen. Das Thema Sicherheit und das eigene Zuhause gewannen verstärkt an Bedeutung; ein bewussterer Konsum, der Verzicht auf Überflüssiges und die Freude an kleinen Dingen erhielten einen höheren Stellenwert.

Doch in dieser Krise haben staatliche Eingriffe ein Ungleichgewicht geschaffen. Insbesondere die Tourismus-, Veranstaltungs- und Gastronomie-Branche sowie die an der Wertschöpfung beteiligten Lieferanten sind eindeutig als Verlierer der Krise zu sehen – und sogar Bestatter melden Kurzarbeit an. Im Wesentlichen wird das Konsumentenverhalten davon abhängen, wie lange Verbote ausgesprochen werden, Maßnahmen wie Kurzarbeit, regelmäßige Öffnungsverbote von Geschäften, eingeschränkter Aufenthalt an öffentlichen Orten usw. bestehen bleiben, was nicht nur zu Frust, sondern zu einer berechtigten zunehmenden Angst vor Arbeitslosigkeit und vor sinkenden Lebensstandards führen wird.

Die ökonomischen Gewinner der Krise sind vor allem die Treiber der Digitalisierung und Online Händler. Hinsichtlich der Weltwirtschaftsleistung gewinnt China, EU verliert, wie dieser Artikel titelt.

Ein Blick auf die Global Best Brands 2020 von Interbrand zeigt, dass sich folgende Marken über üppige Wertsteigerungen erfreuen: Apple 322,999 Mio. $ (+38%), Amazon 200,667 Mio. $ (+60%), Microsoft 166,001 Mio. $ (+53%), SAP 28,011 Mio. $ (+12%), Netflix 12,665 Mio. $ (+41%), Visa 12,397 Mio. $ (+15%), Mastercard 11,055 Mio. $ (+17%), Salesforce 10,755 Mio. $ (+34%), PayPal 10,514 Mio. $ (+38%), Spotify 8,389 Mio. $ (+52%), Linkedin 5,2 Mio. $ (+8%), während Automobilmarken, Luxus Modemarken, Systemgastronomie und Getränkemarken mehrheitlich im Markenwert sanken. Das “Unternehmen des Jahres 2020 ist Amazon. Diese Firma ist wie für eine Pandemie gebaut. (…) Im dritten Quartal 2020 stieg der Umsatz im Jahresvergleich um 37 Prozent auf 96,1 Milliarden Dollar. Schon ohne das vierte Quartal konnte Amazon 260,5 Milliarden Dollar umsetzen.”, so schreibt Gabor Steingart in seinem Morning Briefing vom 22.12.2020.

Allein durch vermehrtes Home Office und Telearbeit steigt der Digitalisierungs-Index stark an. „Im Jahr 2020 haben doppelt so viele Berufstätige wie im Vorjahr mobil oder von zu Hause aus gearbeitet: 32 Prozent der Befragten nutzten Telearbeit, Homeoffice oder mobiles Arbeiten. Bei den Berufstätigen mit Bürojob liegt der Anteil sogar bei rund 60 Prozent – auch dies ist eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Diesen deutlichen Corona-Effekt beim Homeoffice zeigt die Studie D21-Digital-Index 2020/2021 der Initiative D21.“ Covid-19 und das Thema Digitalisierung hängen also stark zusammen. Von Home Office, über Home Schooling bis zur Corona Warn-App – in vielerlei Hinsicht hat in dem Leben vieler Bürger ein Stück mehr Digitales Einzug gehalten. Doch das ist natürlich nicht alles, was Digitalisierung ausmacht. Vor allem die Nutzung von Social Media und Messaging Plattformen sind in Zeiten von Social Distancing stark gestiegen. Was sind somit die Top Themen, Trends und Initiativen für das neue Jahr und darüber hinaus?

Social Media + E-Commerce = Social Commerce

Dass Social Media im Kommen ist, muss man Ihnen (hoffentlich) nicht mehr erzählen. Doch in diesem Jahr hat nahezu die gesamte Welt ein Jahr lang auf ein Thema geguckt. Nicht nur das, sie saß dabei vielfach auf ihrem Schreibtischstuhl oder auf der Couch und nutzte noch intensiver als zu vor schon das Internet, darunter Online Angebote wie Netzwerke und das E-Commerce. Denn die Bedeutung sozial zu sein hat sich geändert. Social Media war neben virtuellen Konferenzen und Events somit ein wichtiges Mittel um sich auszudrücken und verbunden zu fühlen, in Zeiten in denen jeder eine potentielle Gefahr und die Welt ein gefährlicherer Ort als zuvor sein soll. So hat die Niederstreckung des stationären Handels den Wandel zum E-Commerce um 5 Jahre beschleunigt. Nicht nur das, auch die Symbiose aus Social Media und E-Commerce, das Social Commerce hat sich weiter etabliert. Zum Jahresende 2020 wiegt der globale Social-Commerce-Markt 89,4 Mrd. Dollar.

Insgesamt stieg die Zeit an, in der wir uns mit Online Medien beschäftigen. Vermehrte Zugriffe auf die privat wie beruflich genutzte Plattformen bieten Unternehmen mehr Möglichkeiten und eine größere Chance Teil der Realität dieser Menschen zu werden. Und auch in diesem Jahr werden uns Schließungen, Sperrungen und Verbote begleiten, gefolgt von absoluten Infektionszahlen infolge millionenfacher Tests (ergo: es wird ewig so weitergehen), bevorstehenden Impfungen und den dennoch notwendigen Verboten und Pflichten – ausgenommen es geht ein nennenswerter Ruck durch die Gesellschaft.

Seien Sie also dort, wo Ihre Kunden jetzt vermehrt sind, bauen Sie dort ein Community auf und steigern Sie die Loyalität gegenüber Ihrer Marke.

Ein Tipp für’s Personal Branding: Social Media ist ein Tool zum Impression Management, der Inszenierung der besten Form des Ichs. Doch Achtung: Authentizität ist gefragt. Je echter und ehrlicher eine Person dort also wahrgenommen wird, desto sympathischer wirkt sie. Lifestyle-Fotos Ihrer idealisierten Kaffee-Zeremonie haben die Leute satt. Ephemeral Content beispielsweise unterstützt diesen Trend. Kurze Videos schnell gedreht, live aus dem normalen Alltag heraus, die sich selbst wieder löschen – sie sollten nicht ganz konzeptfrei sein, aber sie sind genau deshalb perfekt, weil sie so unperfekt sind. Sie machen nahbar, zeigen die eigentlich viel spannenderen Eigenheiten hinter dem idealisierten Standbild aus dem Fotostudio.

Digitale Identität: ID2020

Eine transnationale digitale Identität für jeden Menschen, die alle über ihn existierende Daten wie Hochschulzeugnisse, Gesundheitsdaten, Impfausweise, Belege über die Kreditwürdigkeit und Arbeitsverhältnisse umfassen und mit der Blockchain-Technologie speichern soll. Darin sollen auch unsere Aktivitäten auf Social Media Plattformen sowie die Transaktionshistorie unserer Einkäufe einlaufen. Die digitale Identität soll das Leben (natürlich) vereinfachen und ein weltweites Management von Identität möglich machen, Kinder ohne Geburtsurkunde, Flüchtlinge ohne Papiere erfassen, Kriminalität verhindern. „Nur noch auf biometrischer Basis – mit Gesicht, Iris, Fingerabdruck – sollen wir uns ausweisen und auf Anforderung Daten freigeben. Das Versprechen: Über jede Freigabe unserer Daten entscheiden wir selbst.”

Wogegen sich Datenschützer und Datenbesorgte in den letzten Jahren mit Händen und Füßen wehrten – ihre Daten, alle, an einem Ort, den gläsernen Konsumenten, Bürger, Menschen – scheint in diesem Jahr weniger ins Gewicht zu fallen. Und auch nicht mehr lange auf sich warten zu lassen. Das World Economic Forum bietet unter folgendem Link eine anschauliche Grafik über die mit einer digitalen Identität zusammenhängenden Themen: https://intelligence.weforum.org/topics/a1G0X000005JJGcUAO?tab=publications

Das WEF, gegründet von Klaus Schwab, ist ein internationaler Zusammenschluss von Wirtschaftsvertretern. Einmal jährlich kommen diese einflussreichen Akteure mit Vertretern der Politik in Davos/Schweiz zusammen, zuletzt Ende Januar 2020. Diese Organisation spricht sich u.a. für die Notwendigkeit eines “Great Resets” aus.

Augenwischerei sagen Kritiker. “Das Konzept transnationaler digitaler Identität bahne den Weg in die totale Überwachung.“, so schreibt Thomas Kruchem vom Deutschlandfunk Kultur. Dahinter steht eine Allianz von Hightech-Konzernen wie Microsoft, Accenture, der Rockefeller-Stiftung, großer Hilfsorganisationen wie Mercy Corps, CARE und nicht zuletzt der von Bill Gates finanzierten Impfallianz GAVI.

Alles hat seine Vor- und Nachteile. So auch eine sich laufend erweiternde Sammlung an Daten über uns und unser digitales Verhalten. Solch ein Instrument stellt immer ein Machtgefälle dar. „Um Willkür von Unternehmen und Behörden weltweit beim Umgang mit transnationaler digitaler Identität zu vermeiden, müsste es klare Regeln geben. (…) „Eine Illusion“ meint IT-Sicherheitsexperte Dirk Fox. “Interessen und die Macht der Regierungen, die solchen Regeln zustimmen müssten, seien zu unterschiedlich; die meisten Regierungen gierten nach Daten und erlebten Datenschutz als eher lästig. Tatsächlich werde der Markt – also die Bedürfnisse von Unternehmen, UN-Organisationen, Regierungen und Konsumenten – die Regeln transnationaler digitaler Identität formen.“ Und weiter: „Jedes IT-System kann Hintertüren enthalten. (…) Und wir haben einen ganz, ganz klaren Trend in allen Industriestaaten, dass Nachrichtendienste sich zunehmend auch mit entsprechenden Gesetzen Zugriffsberechtigungen auf diese Systeme organisieren. (…) Das Konzept transnationaler digitaler Identität optimiere das immer dichter werdende Netz aus kommerzieller und staatlicher Überwachung im Namen des digitalen Fortschritts”, erklärt Dirk Fox.

Eine digitale Identität soll laut den Verantwortlichen nicht zuletzt allen Menschen auf der Welt Zugang zu einem Bankkonto ermöglichen, welches sie ohne Papiere niemals bekommen können. Tatsächlich ist bargeldlose Bezahlung, insbesondere mobil via Google und Apple Pay ein stark wachsender Markt.

Bezahlen mit digitalem Geld

Digital, mobil und am besten in Echtzeit bezahlen zu können, ist eine notwendige Bedingung für Mobile POS Payment sowie E- und Social-Commerce, aber auch für weitere Anwendungen wie Smart Contract und IoT. Bargeld dürfte daher früher oder später, jedenfalls in einer digitalen Welt der Vergangenheit angehören.

Foto von Anna Shvets von Pexels

Aus diesem Grund experimentiert die Europäische Zentralbank mit dem digitalen Euro, der auch als Zentralbankgeld (Central Bank Digital Currency (CBDC)) bezeichnet wird. EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärt, man wolle mit der „Währung für eine digitale Zukunft gerüstet“ sein und austesten, “in welcher Form digitales Geld überhaupt eine Daseinsberechtigung hat oder Nachfrage findet.“ Es ist eine Entwicklung an den Geschäftsbanken vorbei, deren Liquidität extrem einbrechen würde, wenn Personen ihr Geld abheben und gegen CBDC tauschen würden. Die Liquidität bzw. Solvenz der Banken ist ohnehin ein problematisches Thema, das sich wahrscheinlich vergrößern dürfte, wenn Tausende von Unternehmen und Privatpersonen infolge einer hinausgeschobenen Insolvenzwelle Kreditverpflichtungen nicht bedienen werden.

Experimente mit Geld gibt es derzeit viele. Innovationen wie diese, sind also keineswegs einfach mal so eingeführt und bedürfen zur Akzeptanz obendrein eines guten Grundes oder Anreizes.

Ein weiteres Projekt von ID2020 vom WEF ist KTDI (Known Traveller Digital Identity), ähnlich wie bargeldloses Bezahlen, soll zukünftig auch weltweites Reisen ohne Papiere möglich sein.

Digitale Reise- und Impfpässe

An KTDI sind die Regierungen Kanadas und der Niederlande beteiligt, außerdem Fluglinien, Flughafenverwaltungen, Hotels, Kreditkarten- wie Mietwagenfirmen. Während in Kanada Testpersonen mit verlockenden Versprechen gelockt werden, versorgt die Organisation in Entwicklungsländern Geflüchtete bereits mit digitalen Identitäten. Iris, Fingerabdrücke und Gesicht werden registriert, die Gesundheitsgeschichte digitalisiert. In Bangladesch arbeitet die Regierung mit der Impfallianz GAVI an digitalen Impfnachweisen. Dort „erhalten bis heute nur 20 Prozent aller Kinder eine Geburtsurkunde; zugleich aber werden fast alle Kinder gegen Krankheiten geimpft. Das brachte uns auf die Idee, die beiden Dinge miteinander zu verknüpfen: Einerseits stärken wir so das Impfsystem, in dem wir einen digitalen Impfnachweis einführen; andererseits nutzen wir die Digitalisierung des Impfsystems, um eine digitale Identität für die Kinder aufzubauen.“, so Dakota Gruener, Leiterin der Organisation ID2020 in New York City.

Reisen, werden diese Kinder, die Ärmsten der Ärmsten wohl eher weniger, im Gegensatz zu uns Europäern, die sich ihrer Reisefreiheit bisher gerne bedient haben. Wohlgemerkt bisher. „Was die Coronapandemie angeht, wollen wir wohl alle möglichst schnell unser normales Leben wieder aufnehmen. Das jedoch hängt entscheidend davon ab, ob wir einen aktuellen Coronatest oder in Zukunft eine Impfung nachweisen können.“, folgerichtige Ideen wie diese hatte Softwarelieferant und Weltretter Bill Gates 2020 des Öfteren für uns. Wenn es nach Gates ginge, würde der Nachweis einer (Corona-)Impfung Voraussetzung für grenzüberschreitendes Reisen werden. Die Grenzbehörde oder die Kamera des Fußballstadions erkennt dann Ihr Gesicht und prüft z.B. ob Sie geimpft sind. „Die Pandemie würde so viel von ihrem Schrecken verlieren, hofft Dakota Gruener. Und die Coronaimpfung eröffne eine einzigartige Gelegenheit, in die digitale Identität für Milliarden Menschen einzusteigen.“ Wegbereiter hierfür könnten folgende zwei Projekte werden.

Elektronische Patientenakte und Personenkennziffer

Während Frankreich seine Bürger demnächst biometrisch erfasst, treibt unsere Regierung vor allem zwei Projekte voran: Zum einen die Einführung einer elektronischen Patientenakte, die sämtliche Gesundheitsdaten bis hin zur psychiatrischen Diagnose enthält und auf Servern eines privaten Unternehmens gespeichert wird. „Zum anderen ist die Umwandlung der Steuer-ID jedes Bürgers in eine umfassende Personenkennziffer geplant. Der Staat kann sich dann, auf Knopfdruck, ein facettenreiches Bild von diesem Bürger machen. Gegen beide Projekte haben die Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder auch verfassungsrechtliche Bedenken.“

Hier geht’s zum hörbaren Beitrag „Leben in der überwachten Gesellschaft“:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/ 

Einige Gegentrends

Jeder Trend verursacht – nach Kondratieff – einen Gegentrend. So auch die Digitalisierung und politische Einflussnahme auf unsere individuellen Leben. Mit den neuen technologischen Herausforderungen, denen sich Unternehmen im Rahmen von COVID-19 (und allen folgenden Varianten) stellen müssen, rückt z.B. das Thema Datenschutz immer mehr ins Rampenlicht. Was haben nämlich Gen X, die Millennials und die Gen Z gemeinsam? Sie alle interessieren sich dafür, was Unternehmen mit ihren Daten machen, denn die meisten Leute, die heute im Netz unterwegs sind, wissen, dass Cookies unser Surf-Verhalten nachverfolgen und kostenlose Services immer mit Daten bezahlt werden. Auch wenn Datenschutz-Bedenken Ende 2020, und damit ca. 24 Mio. Corona Tracing App Downloads und rund 32 Mio. DNA Proben später, wie weggefegt erscheinen, war zum Ende des Jahres 2019 eine deutliche Mehrheit der Verbraucher (76 %) unzufrieden damit, wie Tech-/Social-Media-Unternehmen ihre persönlichen Daten nutzen. Bei diesen Personen, hat die Coronakrise die Bedenken zum Datenschutz wahrscheinlich eher verstärkt.

Zudem setzen die etablierten Plattformen mittlerweile auf sog. Faktenchecker. Gegen das Durchsetzen von Netiquette haben wahrscheinlich die Wenigsten etwas, aber gegen Wahrheitsministerien, die bestimmen welche Realität die Richtige ist, schon. Diese Tatsache sowie das Meldeverfahren gegen Hass und Hetze verfolgen zwar eine gute Absicht, sie lassen sich aber auch instrumentalisieren um die Meinungsvielfalt einzuschränken. Vielfach ist eine Meinung nur „unnett“, weil sie nicht konform ist. Das führt schnell zu einer vereinfachten Verurteilungen von Menschen um Diskussion im Keim zu ersticken und beinhaltet folgendes Problem: Was heute noch falsch scheint, kann morgen wieder wahr sein. Im schlimmsten Fall gelangt man nie an die Wahrheit oder Lüge, weil sie selbstwirksam ausgeschlossen wurde.

Erodierender Datenschutz und eingeschränkte Meinungsäußerung, die als Zensur erlebt wird, führen zusammengenommen dazu, dass Personen zunehmend von z.B. Whatsapp oder sogar Google auf Alternativen wie z.B. Ecosia, Telegram, Treema oder Signal wechseln. Auch neue Plattformen entstehen, z.B. Parler, was sich selbst als Free Speech Social Network bezeichnet. Es spielt dabei keine Rolle, ob man die Gründe befürwortet – die Menschen tun es, das ist Grund genug um es zu berücksichtigen und vorbehaltslos zu hinterfragen. Unternehmen könnten bzw. sollten auf das dahinterliegende Bedürfnis reagieren.

Schlusswort

Klar ist, die Projekte klingen beeindruckend und versprechen ein fortschrittliches Leben. Seltsam ist, dass das Coronavirus und die Impfung zentrale Anker im Rahmen dieser Thematik sind. Günstige Gelegenheiten. Ein Schrecken, der digital beherrschbar wäre. Warum solche Eingriffe nicht bei klarem Verstand (und unbeeinflusst von emotionalen Bildern aus dem Ausland) diskutieren? Nüchtern betrachtet, verliert die auf Testzahlen beruhende Pandemie mit ungeklärter Kausalität, welche in Deutschland bis heute nicht in der dargestellten Dramatik existiert hat (destatis.de), nämlich in dem Moment ihren Schrecken, wenn man aufhört ihn zu vermitteln. Immer mehr Personen sprechen von einer extremen Diskrepanz zwischen Berichterstattung und Realität, und selbst als Laie mit Pi mal Daumen Ansatz erkennt man weder Geeignetheit noch Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen. Es fehlt die Grundlage, denn die Test- und Erhebungsverfahren sind stark kritisierbar; man sieht unsägliche Fehlanreize, keine Logik, stattdessen herrscht Willkür. Die Regierung trifft politische Entscheidungen, keine medizinisch Notwendigen.

Foto von Ehimetalor Akhere Unuabona

Mir scheint zudem, dass viele, wenn nicht alle diese Entwicklungen von uns absolut nicht mitgetragen, sondern nur noch verkonsumiert werden. Fragen Sie sich auch, wo Sie abstimmen konnten, ob Sie den Great Reset wollen? Oder ist die Frage vermessen? Wieso geschieht das im World Economic Forum und nicht in unserem Parlament? Das bedeutet wiederum, dass wir weniger Demokraten als Akteure sind, die entweder ein wünschenswertes Verhalten an den Tag legen oder nicht und entsprechend unseren (in)direkten Pflichten nachkommen oder verleumdet und sozial geächtet werden. Kein Wunder also, dass der Demokratie Index laut The Economist (2019) weltweit sinkt, d.h. dass immer mehr Länder autoritäre Strukturen aufweisen, die globale Proteste auslösen und Nationen in Zwei teilen.

Allein das Wissen darum, dass unsere Daten erhoben, zusammengesetzt und gespeichert werden könnten, wird unsere Kultur und unsere Bedürfnisse verändern. Wir sammeln diese Daten ja schließlich um etwas damit zu machen, zu identifizieren, auszuwerten, zu orten, zu verfolgen, zu bestrafen. Seit Jaaahren geben wir private Daten freiwillig heraus, wenn der Nutzen den Aufwand übersteigt, als Bezahlung für Vorteile und Annehmlichkeiten im Online Alltag, ohne einen Nachteil über die Langzeitfolgen oder einen negativen Einfluss auf uns zu spüren. Es liegt an uns und den Gerichten, Überwachungsinstrumente als solche zu erkennen. Erst im Herbst 2020 hat der Europäische Gerichtshof die Vorratsdatenspeicherung in einigen Mitgliedstaaten einmal mehr für unzulässig erklärt und so das wichtige Prinzip des Datenlöschens sowie das Recht auf Vergessen gestärkt. Zudem schließt sich seit Kurzem ein Netzwerk kritischer Richter unter Leitung von Dr. Pieter Schleiter zusammen.

Alle diese Trends an sich bieten wunderbare Möglichkeiten und halten noch viele nützliche Potentiale offen. Sie sollten aber auch an Gesetze und damit an Vorstellungen von einem zukünftigen Leben geknüpft sein, die nicht von Angst getrieben sind und unter Zeitdruck stehen. Die Frage sollte sein: Wie können wir die Vorzüge der Digitalisierung haben und dennoch ein gesundes Machtverhältnis beibehalten? Und wann können wir alle dazu wirklich offen reden? Ohne Stigma und Hexenjagd.

Quelle Beitragsbild: Jose Antonio Gallego Vázquez von Unsplash

Veröffentlicht in Internet
2 Kommentare
  • Eva Rohrer

    Vielen Dank, liebe Ludmila, für diesen interessanten und aufschlussreichen Beitrag und die vielen Aspekte zum Nachdenken.
    Bei Deiner Erwähnung der GAVI-Impfallianz fällt mir wieder einmal auf, welch überaus unangenehmen Beigeschmack die Schirmherrschaft unserer Bundeskanzlerin bei dieser Institution hat. Gerade im Hinblick auf ihre aktuelle Idee, die Impfung zur Bedingung für Grundrechtszuteilungen zu machen.

    21:29 10. Februar 2021 Antworten
    • lmabn

      In der Tat. Danke dir für den Kommentar, liebe Eva! Grüße

      21:31 20. März 2021 Antworten
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